Fundamentalanalyse Aktien
Drum prüfe, wer sich länger bindet. Der Geschäftsbericht eines Unternehmens liefert wertvolle Informationen, ob sich ein Investment lohnt. Vor dem Aktienkauf sollte daher auf die folgenden Punkte ein besonderes Augenmerk gelegt werden.
Liquide Mittel: Alarmsignal ist ein dünnes Polster an flüssigen Mitteln. Dabei werden Schecks, Kasse und Bankguthaben sowie Wertpapiere aufaddiert. Dennoch bedeutet eine geringe Liquidität nicht zwangsläufig drohende Zahlungsschwierigkeiten. Denn durch die Ausschöpfung von Überziehungslinien kann ein Unternehmen Kredite aufnehmen. Wichtig ist, die Veränderung der Barmittel quartalsweise zu beobachten.
Immaterielles Anlagevermögen: Hierbei handelt es sich um Film-, Lizenzrechte und Patente. Da deren Wert im Laufe der Zeit abnimmt, müssen alle über den Zeitraum der Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Die Abschreibungen mindern den Gewinn. Welchen Marktwert diese Rechte tatsächlich haben, ist schwer zu schätzen. Deshalb gilt die Faustregel. Je höher der Anteil immaterieller Anlagenwerte an der Bilanzsumme, umso größer die Gefahr für Anleger. Schluckt ein Unternehmen ein anderes, wird dessen Wert ebenfalls unter dieser Position als „Goodwill” angesetzt.
In der jüngeren Vergangenheit wurden Firmen häufig zu teuer eingekauft, so dass der Goodwill zu Abschreibungen führt, sofern das Unternehmen nach deutschem Handelsgesetzbuch (HGB) oder International Accounting Standards (IAS) bilanziert. US-Bilanzvorschriften sehen dagegen beim Firmenwert jährlich einen Werthaltigkeitstest vor.
Entwicklungsaufwendungen: Unter bestimmten Voraussetzungen können die Ausgaben für Forschung und Produktentwicklung nach IAS über mehrere Perioden verteilt abgeschrieben werden. Für den Anleger ist schwer zu beurteilen, inwieweit die aktivierten Kosten tatsächlich zu Erfolg versprechenden Produkten führen. Erweist sich die Entwicklung als nutzlos, drohen Verluste.
Finanzanlagevermögen: Hier ist der Wertansatz von Beteiligungen an Unternehmen zu durchleuchten. In den Erläuterungen zur Bilanz finden sich Informationen, um welche Firmen es sich dabei handelt sowie zur Höhe des Anteilsbesitzes. Befinden sich finanzschwache Firmen darunter, ist Vorsicht geboten.
Nettoverschuldung: Sie ist von großer Wichtigkeit bei der Beurteilung, ob eine Firma finanziell gut ausgestattet ist. Gebildet wird sie aus der Summe der kurz- und langfristigen Finanz-/Bankverbindlichkeiten abzüglich der liquiden Mittel. Überwiegen die liquiden Mittel, so besitzt das Unternehmen ein Nettovermögen. Ausnahmsweise kann es sich für die Ertragskraft eines profitablen Unternehmens als nützlich erweisen, die Verschuldung wegen der steuerlichen Abzugsfähigkeit der Zinsen oder eines niedrigen Zinssatzes zu erhöhen.
Eigenkapitalquote: Sie drückt den Anteil des Eigen- am Gesamtkapital aus und fällt je nach Branche unterschiedlich aus. Einer Daumenregel zufolge sollte sie nicht unter 20 Prozent liegen.
Gewinnentwicklung: Jeder Aktionär freut sich über steigende Gewinne. Doch auch deren Ursprung ist wichtig. Analysten beurteilen zumeist den operativen Gewinn. Er gibt Aufschluß über die Ertragskraft des Kerngeschäfts; Einmaleffekte zum Beispiel aus Beteiligungsverkäufen oder anderen nicht auf das laufende Geschäft zurückzuführenden Ursachen werden ausgeblendet. Steigt der Gewinn nur durch bilanzielle Maßnahmen, ist Vorsicht geboten.
Cashflow: Er gibt die Veränderung der Zahlungsmittel wieder und hat deshalb eine große Bedeutung für die Analyse eines Unternehmens. Der jeweilige Wert ist der im Geschäftsbericht enthaltenen Kapitalflussrechnung zu entnehmen. Gewinne können mitunter gesteuert werden. Beim Cashflow ist das nicht so einfach. Daher läuten die Alarmglocken, wenn steigende Gewinne dauerhaft von einem negativen operativen Cashflow begleitet werden.
Fristigkeit der Verbindlichkeiten: Angaben hierzu finden sich in den Erläuterungen des Geschäftsberichts. Grundsätzlich gilt, dass langfristige Investitionen über längerfristige Kredite finanziert werden sollen. Ist dies nicht der Fall, kann ein Liquiditätsengpaß drohen. Viele Unternehmen sind nur auf Grund fehlender Liquidität und nicht wegen dauernder Verluste Pleite gegangen.
Sonstige finanzielle Verpflichtungen: Darin enthalten sind künftige Verpflichtungen wie Bürgschaften oder Abnahmeverpflichtungen. Oft ist aus diesen Angaben zu erahnen, ob der Firma in Zukunft Unannehmlichkeiten drohen.
Zwar wird der Geschäftsbericht erst Monate nach Geschäftsjahresende veröffentlicht und in der Zwischenzeit kann viel passiert sein. Dennoch lassen sich Bilanzierungstricks mit etwas Mühe erkennen. Kostspielige Pleiten bleiben dem eigenen Depot somit hoffentlich erspart.
⇒ Angebote zu Ihrem Thema:

Produkte
