Festverzinsliche Wertpapiere
Aktien sind riskant, Anleihen sind sicher. Mehr noch als in normalen Zeiten wird dieser Glaubenssatz in schlimmen Börsenphasen als ewige Wahrheit verkündet. Raus aus Dividendentiteln, rein in Zinspapiere. Dieser Tausch soll Anlegern die Rettung bringen. Aber wie so häufig führen solche allgemeingültigen Weisheiten in die Sackgasse. Die Frage sollte deshalb niemals lauten: Aktien oder Anleihen? Vielmehr gehören beide ins Depot. Nur der Schwerpunkt sollte je nach Börsenlage, Risikoneigung und Kurs- beziehungsweise Renditeniveau verschieden sein. Und deshalb spricht einiges dafür, die Depotanteile in Zeiten eines weltweiten Wirtschaftsaufschwungs zu Gunsten der Dividendenwerte zu verschieben.
Anleihen dagegen bauen üblicherweise in der Konjunkturerholung Risiko auf. Das kräftige Wirtschaftswachstum wird früher oder später von einer Zinswende begleitet, und steigende Renditen bedeuten fallende Anleihenkurse. Selbst wenn sich Bundesanleihen nur auf den historischen Zinsdurchschnitt von etwa sechs Prozent bewegen sollten, würde dies bei lang laufenden Bonds zu deutlichen Kursverlusten führen. Aktien haben deshalb unter Chance-Risiko-Aspekten eindeutig ihre Berechtigung und gehören insbesondere für den privaten Vermögensaufbau in jedes gut diversifizierte Wertpapierdepot. In Aktien investiert man als Privatperson am besten über Fonds.
Bei Festverzinslichen Wertpapieren unterscheidet man verschiedene Grundtypen:
Anleihen
Anleihen haben eine bestimmte Laufzeit und einen festgelegten Zinssatz über die gesamte Laufzeit. Die Laufzeit richtet sich nicht nach dem Kaufdatum, sondern nach dem Zeitpunkt, zu dem die Anleihe ausgegeben wurde. Ist das Ende der Laufzeit erreicht, bekommen Sie Ihr Geld und einen vereinbarten Zinssatz zurück. Übliche Laufzeiten für Anleihen betragen bis zu vier Jahre; hier spricht man von kurzfristigen Anleihen. Mittelfristige Anleihen haben eine Laufzeit zwischen vier und acht Jahren, langfristige Anleihen laufen länger als acht Jahre. Vorteil der Anleihe gegenüber dem Sparbrief. Das Wertpapier kann jederzeit wieder an der Börse zu Geld gemacht werden.
Wandelanleihen
Die Wandelanleihe ist ein Mix aus Aktie und Anleihe. Den Renditevorteil der Aktie hat man mit den Vorteilen einer Anleihe verknüpft und daraus die Wandelanleihe (Convertible Bond) gemacht. Mit diesem Wertpapier in der Hand dürfen Sie zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt Ihre Anleihe gegen Aktien der Firma umtauschen, die diese Wandelanleihe ausgegeben hat. Das funktioniert dann so. Zum Wandlungszeitpunkt überlegen Sie sich, ob Sie lieber Aktien der Firma haben wollen oder ob Sie bis zum Ende der Laufzeit noch den Zins der Anleihe in Anspruch nehmen. Das Verhältnis der Wandlung, also wie viele Aktien Sie pro Anleihe bekommen, ist zum Ausgabezeitpunkt festgelegt. Ebenso fest ist auch die Laufzeit. Wenn Sie von Ihrem Wandlungsrecht keinen Gebrauch machen, bekommen Sie die Anleihe weiterhin verzinst und am Ende der Laufzeit zum Nennwert zurückgezahlt. Ausnahme: In den Bedingungen der Emission kann auch festgelegt werden, dass es am Ende der Laufzeit eine Pflicht zur Wandlung gibt. Dann können Sie nicht anders, Sie müssen die Aktien nehmen. Deshalb lohnt beim Kauf von Wandelanleihen der Blick in die Bedingungen genauso wie beim Aktienkauf. Wenn Sie den Eindruck haben, dass das Unternehmen nur noch geringes Kurspotenzial aufweist, dann verzichten Sie zu wandeln. Üben Sie das Wandlungsrecht aus, haben Sie übrigens keine Möglichkeit mehr, diese Entscheidung rückgängig zu machen. Die Wandelanleihe ist in Zeiten niedriger Zinssätze eine gute Alternative gegenüber herkömmlichen Anleihen.
Optionsanleihen
Diese sind eng mit Wandelanleihen verwandt. Auch bei diesen Anleihen haben Sie das Recht, Aktien zu beziehen. Der Unterschied zur Wandelanleihe: Dieses Recht auf Aktien gilt nicht alternativ, sondern zusätzlich. Das heißt, selbst wenn Sie den Optionsschein ausüben und Aktien beziehen, läuft die Anleihe dennoch bis zum Laufzeitende weiter, bringt Zinsen und wird am Schluss zum Nennwert zurückgezahlt. Sie brauchen den Optionsschein nicht wegzuwerfen, wenn Sie auf keinen Fall Aktien beziehen wollen. Verkaufen Sie ihn einfach. Bei dieser Art von Anleihe sind die Anleihe und der Optionsschein getrennt handelbar. Der Nachteil bei dieser Kombination ist der Optionsschein. Sinkt nämlich während der Laufzeit der Kurs der Aktie, auf die sich Anleihe und Optionsschein beziehen, fällt der Kurs des Optionsscheins überproportional. Das liegt daran, dass Aktienkurs und Option eng miteinander verbunden sind.
Genussscheine
Sie können helfen, das Leben zu genießen - verbinden sie doch das Wesen der Anleihe mit dem der Aktie. Für den Genussschein stellen Sie einem Unternehmen Ihr Geld zur Verfügung. Da Sie das sicherlich nicht kostenlos machen, bekommen Sie für Ihre Großzügigkeit einen Teil des Unternehmensgewinns als Ausschüttung. Schließlich hat Ihr Geld auch zum Erfolg beigetragen. Mit einem Genussschein genießen Sie Sonderrechte, was die Höhe der Ausschüttung angeht. Die liegt in der Regel deutlich höher als die Dividende (auch eine Ausschüttung), die den Aktionären zugute kommt. Im Gegensatz zur Anleihe ist die Ausschüttung nicht garantiert.
Da es für die Genüsse, wie sie an der Börse “liebevoll” genannt werden, keine so strengen Vorschriften wie für Aktien gibt, ist den emittierenden Unternehmen nahezu freie Hand gelassen, was die Regelung von Ausschüttung, Laufzeit und Rückzahlung des geliehenen Geldes angeht. Es gibt sogar Varianten von Genüssen, die Sie auch am Verlust des Unternehmens beteiligen. Oder die Laufzeit ist unbegrenzt. Das heißt, dass Sie den Schein nur wieder im Börsenhandel loswerden. Allein schon die Ausschüttungsvarianten machen Genussscheine unübersichtlich.
Floater
Bei den Floatern wird der Zinssatz regelmäßig angepaßt. Ob nach drei, sechs oder zwölf Monaten hängt vom Papier ab. Das heißt, die Verzinsung der Anleihe bewegt sich mit der Zinsentwicklung am Markt. Ausgeschüttet werden die Zinsen ebenfalls nach Ablauf einer Zinsperiode, also nach den drei, sechs oder zwölf Monaten. Mit der Zinszahlung wird auch der neue Satz für die nächste Periode bekannt gegeben. Dieser orientiert sich für gewöhnlich an einem Referenzzinssatz, entweder dem Libor (London lnterbank Offered Rate) oder dem Euribor (European Interbank Offered Rate). Diese Papiere sind in Zeiten steigender Zinsen interessant, weil sie regelmäßig an den reellen Zinssatz, der auf dem Markt gerade aktuell ist, angepaßt werden. Dadurch ist auch das Kursrisiko bei den Floatern bei weitem nicht so hoch wie bei den festverzinslichen Anleihen. Der Kurs für einen 100-Euro-Floater wird daher immer mehr oder weniger nah bei 100 Euro liegen. Damit verdienen Sie in Zeiten steigender Zinsen sogar ohne Kursrisiko, können aber trotzdem jederzeit an der Börse handeln.
Zerobonds
Für diesen Anleihetyp gibt es auch einen deutschen Namen: Nullkuponanleihe. Die Null steht für null Zinsen während der Laufzeit. Natürlich würde niemand ein Wertpapier kaufen, das überhaupt keine Zinsen abwirft. Der Zerobond zahlt die Zinsen nicht jährlich aus, sondern am Ende der Laufzeit. Und zwar nicht als angesammeltes Kapital. Nein, Sie erhalten die Zinsen quasi am Verkaufstag. Zerobonds werden weit unter dem Nennwert verkauft und am Ende der Laufzeit zum Nennwert, also zu pari, zurückgezahlt.
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