Anleihenkauf in Abhängigkeit der Zinsentwicklung
Wohin geht die Inflation? Und was machen die Notenbanken? Fragen, die zwar auch den Aktionär beschäftigen, die Wertpapierauswahl letztlich aber nicht entscheidend beeinflussen.
Für einen Anleihenanleger ist die Beurteilung von Zinstrends dagegen ein strategisches Kernstück, dessen Schwerpunkt auf der Analyse der Zinsstrukturkurve liegt. Diese bildet die effektive Verzinsung für den gesamten Laufzeitenbereich ab.
Von einer „normalen Zinsstruktur” spricht man, wenn es am langen Ende der Kurve, also im Laufzeitenbereich von zehn Jahren und mehr, deutlich höhere Zinsen gibt, als am kurzen Ende. Das ist zumeist der Fall, denn je länger jemand sein Geld verleiht, umso mehr Zinsen verlangt er als Ausgleich für den Konsumverzicht in der Gegenwart.
Ganz so einfach ist die Erklärung des Kurvenverlaufs aber nicht. Eine entscheidende Rolle spielen Inflationserwartungen. Dass die Inflation der Feind jedes Anlegers ist, trifft auf die Anleihenmärkte noch mehr zu, als auf den Aktienmarkt. Nimmt die Teuerung um wenige Prozentpunkte zu, bedeutet das eine reale Entwertung des angelegten Kapitals. Dem versuchen Investoren zu entgehen, indem sie bei steigender Inflationsangst einen höheren Zinssatz verlangen.
Steigende Preiserwartungen sind der Hauptbestimmungsfaktor der Zinsstruktur am langen Ende. Bei kurzen Laufzeiten fällt die Geldentwertung dagegen weniger stark ins Gewicht. Der Zinssatz wird hier in erster Linie von den Notenbanken bestimmt. Leitzinsen am kurzen, Inflationserwartungen am langen Ende. Dies liefert einigen Raum für eine Interpretation.
So charakterisiert eine stark ansteigende Kurve zumeist ein Konjunkturtief mit niedrigen Leitzinsen. Das lange Renditeende liegt höher, da mit dem erwarteten Wiederaufschwung die Inflation und damit auch höhere Geldmarktzinsen in der Zukunft vorweggenommen werden.
Wenn die Konjunktur tatsächlich anzieht und die Notenbank die Zinsen erhöht, steigt der Beginn der Kurve an, die gesamte Kurve flacht sich ab. Je näher der Aufschwung zu seinem Scheitelpunkt gelangt, umso geringer werden die Inflationsängste der Anleger. Davon profitieren die Kurse der Langläufer, die jetzt ansteigen, während deren Rendite fällt.
Strategien bei fallenden Zinsen: Erwartet der Anleger niedrigere Zinsen, sind Anleihen mit langer Laufzeit und niedrigem Nominalzins interessant, da sich mit ihnen deutliche Kursgewinne realisieren lassen. Die Papiere müssen dann aber vor Endfälligkeit verkauft werden, da sie sonst zu 100% zurückgezahlt und die Kursgewinne hinfällig werden.
Strategien bei steigenden Zinsen: Sind die Zinsen niedrig, sollten sich Anleger bei der Wahl der Laufzeit zurückhalten und versuchen, das Zinstal mit kurz laufenden Anleihen oder mit Tagesgeld zu überbrücken.
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